Meine Replik:

Ich stimme sarkastisch Schrems' Untertitel ‚der existentiellen Rolle der Kirche im Aufbau der europäischen Kultur‘ zu. Sarkastisch, weil der Aufbau einer europäischen Kultur ein kriegerisches Niedermachen tiefen Naturglaubens germanischer Stämme war, mit dem Segen Roms (siehe etwa Karl der Große, beispielhaft die Niederschlagung Wedukinds, dem Sachsen-Fürsten, mit tausendfachem Gemetzel), und diese europäische ‚Kultur‘ die Zwangschristianisierung/Kolonialisierung der Welt mit Mord und Unterdrückung gebar (in Afrika, Südamerika, Asien, Australien). Und wir verehren heute noch Karl den Großen, anstatt ihn Karl den Schlächter zu nennen. Aber weil ja die Mönche alleinig des Schreibens mächtig waren und der Buchdruck noch nicht erfunden war, sind diese Feldzüge als Christianisierung und Geburtsstunde Europas in die Geschichtsschreibung positiv konnotiert eingegangen. Zweifelsohne haben die Klöster auch viel menschlich positives beigetragen – aber das, nachdem Herrenmenschen in christlichem Mantel Stammesführer ersetzten und ausbeuterische Abhängigkeiten schufen.

Das Mönchtum hat durchaus mitgewirkt, die Gott-Natur verbundenen Rituale und Lebensregeln von Stammesgemeinschaften/Völkern, zu zerstören, deren tiefe Verwurzelung mit Schöpfungs-Ahnung mißachtet – und, die Augen zugemacht, vor dem mordenden Niederschlagen nicht-christlicher Kulturen (Eva Herman, Blutgericht Europa). Und es war der Dominikaner-Mönch und päpstliche Inquisitor Heinrich Kramer, der mit päpstlichem Segen (Papst Innozenz VIII) die Hexenverfolgung und Hinrichtung betrieb°, den ‚Hexen‘ die Schuld für die verheerenden Folgen der kleinen Eiszeit als göttliche Strafe für ihre Verfehlungen gab (Wolfgang Behringer, Kulturgeschichte des Klimas - Von der Eiszeit bis zur globalen Erwärmung) oder einen Pakt mit dem Teufel andichtete. Jedenfalls ging die unmenschliche Machtausweitung des ‚Heiligen Römischen Reiches‘ einher mit den Christianisierungs-Wellen der Klöster.

Somit ist Einiges zerstört worden und keinesfalls sichergestellt, daß ohne Zwangschristianisierung und ‚Eroberung‘ eines Europa ethnische Gruppen/Stämme wie die Ungarn, die von Schrems genannt werden, nicht Fortbestand gehabt haben könnten, friedlicher und authentischer als mit der Blutgeschichte Europas, einer Einheits-Zwangsbeglückung – gegen die sich ja auch prompt nicht nur die Ungarn heute wieder oder immer noch wehren.

pjj, Jänner 2020
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° Wenn man Kramer, wie Manfred Schütz (Der Skandal der Skandale - Die geheime Geschichte des Christentums), als zwielichtige Person abtut und der päpstliche Segen erschlichen sei, bleibt zu fragen, warum der Papst und/oder das deutsche Episkopat sich nicht massiv und erfolgreich gegen die Propaganda Kramers und andauernde Hexenverfolgung stellten.