Nachwort:
Am 29.10.2018 berichtet religion.ORF.at über das Interview der katholischen Nachrichtenagentur Kathpress mit Kardinal Christoph Schönborn zum Schlußpapier der Bischofssynode zu 'Die Jugendlichen, der Glaube und die Erkenntnis der Berufung'. Der Kardinal habe sich mehr erwartet zum Thema Migration:

 

Ausbeutung durch reiche Länder nicht thematisiert

Migration sei kein Naturgesetz, sagte Schönborn. „Warum gibt es so viele Menschen, junge Menschen, die aus Afrika unbedingt weg wollen? Weil wir, die reichen Länder ihnen die Lebenschancen genommen haben, die Zukunftschancen verbaut haben. Dieses prophetische Wort hätte ich mir eigentlich noch deutlicher von der Synode erwartet“, so der Kardinal.

Schönborn verwies etwa auf die Berichte von Bischöfen aus der Subsahara-Zone, über die dortige dramatische wirtschaftliche Lage. In großen Teilen Afrikas würden die reichen Ressourcen der Länder in großem Ausmaß ausgebeutet. „Die Früchte dieser Ressourcen bleiben nicht bei den Menschen, sondern sie gehen einerseits in die korrupten Oberschichten und sie gehen vor allem ins Ausland.“ Diese „Kooperation zwischen Korruption und den großen Wirtschaftsmächten“ bewirke, „dass bei den Menschen von dem ungeheuren Reichtum den der Kontinent hat, so ungeheuer wenig hängen bleibt“.

Marshallplan für Afrika

Schönborn: „Wir klagen über die Migration, wir überlegen alle möglichen Dinge, wie man Migration aus Afrika stoppen kann, aber die einzig richtige Antwort darauf ist ein Marshallplan für Afrika, ist eine dramatische Veränderung der Gerechtigkeits- und Wirtschaftslage und der politischen Lage in Afrika. Natürlich ist das eine riesige Aufgabe. Die am meisten darunter Leidenden sind nun einmal die jungen Menschen, die in Afrika die Mehrheit sind.“

Damit bestätigt der Kardinal im Grundsätzlichen unsere Sicht des Nord-Süd Problems. Ein Marshallplan wird allerdings nicht ausreichen, die Probleme zu lösen, es würde vielmehr eines Paradigmenwechsels in Sachen Globalisierung, Weltwirtschaft und Rolle der internationalen Institutionen bedürfen - und ihn durchzusetzen. Könnte die Katholische Kirche mit ihrem einzigartigen weltweiten vertikalen und horizontalen Durchgriff in Gesellschaft und Politik doch noch Initiator und Träger dieses neuen Paradigmas sein?

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