Der Pillen-Reigen
oder
Sind Ärzte noch unsere Helfer?

Peter-Jörg Jansen
Oktober 2019

Nach Herzinfarkt 2008 mit Stent-Implantation und Herzrasen 2010 mit Cardioversion sowie Herzrasen 2012 und 2014 erfolgte 2018 übers ganze Jahr mehrfach langanhaltendes Vorhofflattern mit Cardioversionen und schließlich einer Vorhofablation. Das anschließende ziemlich dauerhafte Vorhofflimmern konnte medikamentös mit Eliquis (Antikoagulans), Bisoprol (Herzrythmusdämpfer) und Sedacoron (Herzrythmusstabilisator) schließlich überwunden werden. Deren Wechselwirkungen und Nebenwirkungen sind zwar nicht unerheblich, werden des Erfolges hinsichtlich der langjährigen Herzprobleme jedoch in Kauf genommen und bedürfen vierteljährlicher Kontrollen von QT, Ka, Leber, Lunge, Augen, Schilddrüse, Zucker und Gewicht.

Da Nierenwerte, Harnsäure, Blutfette und Blutdruck immer grenzwertig waren und zur Herzbelastung beitragen können, bedürfen auch sie der regelmäßigen Kontrolle und werden durch die hausärztliche Verschreibung von Ramipril (Blutdruck), Allopurinol (Harnsäure) und Atorvalan (Blutfette) behandelt. Weiters soll Pantoprazol den mit den Tablettengaben belasteten Magen schützen; bei gelegentlichen Gichtanfällen wird Aprednislon eingesetzt und die gelegentlichen Ödeme im Bereich der Beine werden mit Torasemid entwässert.

Damit habe ich täglich 7 (und bei Bedarf bis zu 9) verschiedene Medikamente zu nehmen. Da interessieren dann Wirkungen, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen – und ob das denn so noch funktionieren kann. Nach Expertenmeinung sind die Wirkungen von mehr als 3 Medikamenten nicht mehr überschaubar! Also habe ich die Gebrauchsinformationen ausgewertet und Counterindikationen, Wechselwirkungs-Risiken und Unverträglichkeiten (die etwa eine Dosisanpassung durch den Arzt veranlassen sollen) sowie die Nebenwirkungs-Kategorien „1 von 10“ und „1 von 100“ in einer Matrix zusammengetragen (siehe Anhang).

Dabei ist hervorstechend, daß Counterindikationen und Wechselwirkungsrisiken von Atorvalan, Torasemid und Aprednislon gegenüber Sedacoron (und bei Torasemid auch gegenüber Bisoprol) vorliegen. Diese drei Medikamente können auch beitragen zu erhöhten Blutfettwerten und erhöhter Harnsäure, Muskelkrämpfen und Sehstörungen. Sie wegzulassen bedarf der Suche nach den Auslösern der Krankheitsbilder für die sie indiziert sind, und von Alternativen ihrer Vermeidung/Heilung.

Der Blutdrucksenker Ramipril etwa bewirkt erhöhte Blutfettwerte und Harnsäure, Muskelschmerzen, Sehstörungen, Ödeme, Geruchsbeeinträchtigung, Herzrythmusstörungen und Nierenschwächung (die man alle bei mir beobachten konnte – seit einigen Jahren sehe ich öfters doppelt und mußte deshalb das Autofahren aufgeben; mein Geruchssinn ist völlig versiegt, ärztliche Cortisonsprays haben nicht genützt; und für beide Nebenwirkungen hat eine Gehirntomographie keine Gründe ergeben), neben weiteren (von denen ich verschont blieb). Man wundert sich, daß so etwas verschrieben wird bzw zugelassen ist. Insbesondere der Zusammenhang mit Herzrythmusstörungen und Nierenschwächung veranlaßt mich über Möglichkeiten nachzudenken, auch dieses Medikament weglassen zu können, d.h. den Blutdruck ohne Medikation in Grenzen zu halten. Ob das dann auch zu einer Lockerung der Herz-bezogenen Medikation führen kann, wird sich zeigen.

Nach Studium einschlägiger Artikel auf offiziellen Gesundheits-Websites, Wikipedia, Youtube und jeweils zitierter Fachliteratur (!) ergibt sich folgende Verursachungskette hinsichtlich der Krankheitsbilder zu o.g. für nahezu alle älteren Personen typischen Medikation:

1)     Auslöser sind

·        Fehlernährung,

·        Bewegungsmangel,

·        Alkohol.

Dies führt zum Metabolischen Syndrom und dessen Vorstufen:

-         Überzuckerung und Insulinresistenz (Diabetes)

-         dadurch Störung des Fettstoffwechsels

-         Gewichtszunahme

-         Innerem Bauchfett (zwischen den Organen), das hormonell den Fettstoffwechsel weiter verändert (Adipositas).

2)     Die Überzuckerung führt

-         zu Glukose-Plaques und Entzündungen in den Blutbahnen, gegen die die Leber Cholesterin mobilisiert. Die Plaques können zu Herzinfarkt führen (nicht das Cholesterin!).

-         zu übersäuertem Blut, was die Zellversorgung (insbesondere mit Sauerstoff für eine aerobe Energiebereitstellung) beeinträchtigt und Anlaß für Krebsentstehung sein kann (siehe nachfolgenden Artikel).

3)     Die Verarbeitung der vermehrt im Blut auftretenden Unregelmäßigkeiten führt zu einer (zunehmenden) Nierenschwächung (bis hin zu notwendiger Dialyse). Betroffen sind

-         Harnsäure-Ausscheidung

-         Salzregulation

-         Blutdruckregulation

-         Hormonregulation

durch die Niere mit der Folge von

·        Bluthochdruck,

·        erhöhten Harnsäurewerten im Blut und

·       Lymph-Ödemen (zu dessen Bildung auch Bewegungsmangel beiträgt).

4)     Der Bluthochdruck führt seinerseits

-         zu verstärkter Nierenschwächung (positive Rückkopplung)

-         zu Sehstörungen

-         zu Überbeanspruchung des Herzmuskels

und infolge zu

·        Extrasystolen

·        Rythmusstörungen

·        Pulsbeschleunigung

·        Kammerflimmern

5)     Die erhöhten Harnsäurewerte im Blut führen zu Gichtanfällen.

Damit erweisen sich im Normalfall (keine bakteriellen, viralen oder genetischen Sondererkrankungen) alle genannten und mehrheitlich bei mir festgestellten Krankheitsbilder von Fehlernährung, Bewegungsmangel und Alkohol abgeleitet.

Die einzigen ärztlichen Ratschläge (die ausschließlich zusätzlich zur Medikation erfolgten und keine Alternativen enthielten) betrafen Vermeidung von Alkohol (in meinem Fall Bier) und Gewichtsreduktion.

-         Mein Body-Mass-Index (BMI) ist 28. Als wünschenswert gilt ein BMI von 20-25, im Alter (ab 65 Jahren) jedoch bis 29 (Fettreserven für längere Krankheiten, Deutsche Gesellschaft für Ernährung).

-         Biergenuß nach WHO risikoarm bis 2 Halbe/Tag.

Beide Ratschläge werden beherzigt. Damit verbleiben

-         Fehlernährung und

-         Bewegungsmangel

als mögliche und wahrscheinliche Auslöser der Verursachungskette.

Tatsächlich kann ich feststellen, daß Aktivitäten wie Radfahren oder Gartenarbeit den Blutdruck nachhaltig (für den Rest eines Tages) auf normale Werte senken. Außerdem ist die alte Regel

·        Blutdruck zulässig bis maximal 100 + Alter (bei mir also 180)

nicht unvernünftig, weil das bei zunehmender Arteriosklerose die ausreichende Blutversorgung des Gehirns garantiert (und damit eventuell Demenz-Erscheinungen vermeidet). Und die Nierenschädigung bei hohem Blutdruck ist primär dem Metabolischen Syndrom geschuldet und nur sekundär dem Blutdruck (vermutlich etwa nur weil beides logischerweise korreliert, also epidemiologisch so gesehen werden kann). Den Blutdruck durch Bewegung und Ernährungsmaßnahmen zu senken bleibt allerdings wegen der Überbeanspruchung des Herzmuskels bei dauerhaft hohem Blutdruck und seiner Folgen sinnvoll (siehe nachfolgend).

Es ist außerdem wahrscheinlich, daß mein Herzinfarkt 2008 auf langfristiger Fehlernährung beruht. Zuviel Zucker (in Kaffee, Kuchen, Schokolade) und Kohlehydrate (Brot, Nudeln, Reis, Kartoffel), die zu Glukose verarbeitet werden, insbesondere Kohlehydrate aus zellfreiem Mehl und raffinierten Industrieprodukten (schnellen Anstieg des Zuckergehalts im Blut und entzündliches Mikrobiom im Darm verursachend), haben zwar keine Diabetes verursacht, die Glukosewerte im Blut jedoch erhöht,  somit über vermehrte Insulinausschüttung den Fettstoffwechsel behindert und Inneres Bauchfett entstehen lassen. Mangelnde Bewegung (Bewegung würde zum Glukoseabbau, Fettabbau, zur Lympdrainage zwecks Schadstoff-Abtransport und vermehrtem Sauerstoff in Blut und Gewebe beitragen) unterstützt diese Mechanismen, die heute so verbreitet sind, wie die o.g. medikamentöse Therapie.

Die Vermeidung des Metabolischen Syndroms (also ohne medikamentöse Therapie) gelingt durch:

·        möglichst wenig Zucker und Zucker-haltiges Gebäck, keine Schokolade

·        keine Zucker- und Fruktose-haltigen Getränke

·        möglichst wenig alkoholische Getränke

·        wenig Kohlehydrate, möglichst naturbelassen

·        keine raffinierten Industrieprodukte (Wurst, Margarine ...)

·        viel Bio-Gemüse (pestizid-, fungizidfrei)

·        gute Öle, Fette mit viel Omega3 (Olivenöl, Butter ...)

·        Seefische, Fische aus Naturfang (also ohne Schadstoffe und mit viel Omega 3)

·        Fleisch vom Biobauern (ohne Antibiotika, Streßhormone ...)

·        viel Trinken (>1,5L/d)

·        viel Bewegung/Aktivität mit Atmungshygiene in freier Natur (zur Sauerstoff-Aufnahme für ein alkalisches Blut- und Zellklima)

(Siehe dazu nachfolgende Artikel zu 'Ernährungs-Wandel ...' und 'Den Krebs besiegen')

Wie aus der Verursachungskette zu ersehen, verhindert dies die Fülle von Krankheitsbildern, erübrigt deren medikamentöse Behandlung und vermeidet deren Nebenwirkungen. Im Gegensatz zu dieser positiven Wirkungskette, die mit Ernährung und Bewegung beginnt, bedingen die genannten Medikamente jedoch eine negative Rückkopplung, weil ihre Nebenwirkungen teilweise die Krankheitsbilder, gegen die andere der genannten Medikamente eingesetzt werden, sogar verstärken (wie eingangs aufgezeigt, zusammengestellt im Anhang).

Im Einzelnen:

-         Pantoprazol ist unnütz. Die Verringerung der Magensäure behindert die Verdauung und kann deshalb im Darm zum Übergang schädlicher Stoffe ins Blut führen. Außerdem können Nebenwirkungen u.a. zu Sehstörungen führen.

-         Atorvalan ist unnütz. Den Cholesterinspiegel im Blut zu dämpfen heißt, die Feuerwehr zu behindern. Cholesterin repariert Fehler in den Wänden der Blutgefäße und greift überall dort ein, wo Entzündungen vorliegen. Das ist beispielsweise der Fall, wenn Glukose-Plaques entstehen. Deshalb korreliert Cholesterin mit Herzinfarkt ohne selbst einen Herzinfarkt zu begünstigen.

-         Allopurinol ist nicht nur anläßlich veränderten Lebensstils verzichtbar, sondern im besonderen durch

o   Vermeidung Purin-haltiger Kost: Innereien, Fruktose, Bier, ferner Zucker, Salz, Schmerzmittel,

und die Niere kann hinsichtlich Harnsäure Ausscheidung unterstützt werden durch

o   Tinkturen/Tees aus Goldruten, Zinnkraut, Brennessel, Kamille.

Bei Erfolg erübrigt sich auch der Gichtanfall und damit Apredislon, das zu Sehstörungen, erhöhtem Zucker und Blutfetten sowie Herzrhythmusstörungen führen kann.

-         Ödeme und damit Torasemid lassen sich vermeiden durch die

o   Beseitigung der Nierenschwäche,

o   durch Bewegung,

o   durch Entwässerung und Niere unterstützende Tees: Pfefferminz, Brennessel, Löwenzahn, Wacholder, Petersilie.

Das vermeidet Nebenwirkungen wie vermehrte Harnsäure und Muskelkrämpfe.

-         Ramipril hat eine Fülle von Nebenwirkungen: erhöhte Harnsäure und Blutfette, Sehstörungen, Beeinträchtigung des Geruchssinns, Muskelkrämpfe, Herzrythmusstörungen, Ödeme und die Schwächung der Niere. Damit ist es wesentlich, seine Einnahme zu vermeiden und den Blutdruck zu senken durch

o   Bewegung/Aktivität

o   wenig Salz (Käse, Speck, Sauerkraut)

o   wenig Kohlehydrate, Kaffee, Alkohol

o   viel Salate, Gemüse, Kräuter, Zimt, Hibiskus, Rote Beete, Eier, Rotwein/rote Beerenfrüchte

o   Omega 3 Fette (Fisch, Olivenöl), Nüsse

Im übrigen sei nochmals darauf verwiesen, daß erhöhter Blutdruck im Alter die Gehirnversorgung verbessert. (Ich habe mir vorgenommen, einen mittleren Blutdruck von 160 mit Maxima von 170 zu akzeptieren)

Wenn solchermaßen durch die Umstellung des Lebensstils in Sachen Ernährung und Bewegung wieder alles im Griff ist, kann auch daran gedacht werden, vorsichtig Bisoprol und Sedacoron zu reduzieren und evtl. abzusetzen. Eliquis würde ich zur Absicherung eines Herzinfarktes belassen.

Abschließend stellt sich die Frage, warum in der ärztlichen Praxis durchgängig sofort verschrieben wird, ohne Lebensstil-Beratung, Begleitung einer Lebensstil-Umstellung mit Überwachung. Und warum nicht wie selbstverständlich routinemäßig online Wechselwirkungen, Nebenwirkungen und naturheilkundliche Alternativen abgefragt werden bzw werden können. Ob das an den Marktabteilungen der Pharmakonzerne liegt, die auf Normen und Reglements Einfluß nehmen, die Forschung mit ihren Geldern dominieren, für mediale Präsenz sorgen und die Ärzteschaft mit unprüfbaren Erfolgsgeschichten zudecken? Dazu aus Wikipedia zum Nachdenken:

„Cholesterinsenker stellen heute das weltweit umsatzstärkste Segment des Pharmamarktes dar. Im Jahre 2004 wurden mit Cholesterinsenkern weltweit Umsätze von 27 Milliarden US-Dollar erzielt, bei einer Wachstumsrate von 10,9 %. Umsatzstärkstes Medikament ist Atorvastatin (Lipitor, Sortis) des US-Herstellers Pfizer, welches 2005 einen Umsatz von weltweit 12,2 Milliarden US-Dollar erzielte.“

Und das gilt ähnlich für die anderen aufgeführten Medikamente, die ja fast jeder über 50 erhält.

Und cui bono, wenn die Konsumenten millionenfach zu Softdrinks mit Zucker und Fructose, zu raffinierten Produkten mit Entzündungsfördernden Omega 6 Fetten (Margarine, Wurstwaren, Chips etc) animiert werden und Fleisch, Obst und Gemüse Pestizide, Fungizide, Rest-Antibiotika und Farb-, Haltbarkeits- und Geschmacksverbesserer enthalten?

 

Anhang:
Zusammenstellung der Counterindikationen (darf nicht zusammen gegeben werden), Risiken (bei gleichzeitiger Einnahme) und Unverträglichkeiten (bedarf wegen verstärkender oder abschwächender Wirkung der Dosisanpassung) sowie Nebenwirkungen (sehr häufig und häufig) der üblichen Medikamente für alternde Patienten. (Rot gekennzeichnete Unverträglichkeiten: Wenn Medikament A laut Beipackzettel mit Medikament B unverträglich ist, ist auch Medikament B mit Medikament A als unverträglich anzusehen, auch wenn dies im Beipackzettel von Medikament B nicht angegeben ist.)