Im Rahmen der Gedenkveranstaltungen 2018 zum ‚Anschluß‘ Österreichs an das Deutsche Reich 1938 haben sich Honoratioren aus unterschiedlichsten Gesellschaftsbereichen dazu geäußert, wie sich die damalige Begeisterung gewichtiger Bevölkerungsgruppen für den Nationalsozialismus für alle Zukunft vermeiden ließe. Schule, Aufklärung und Besuch von Gedenkstätten standen dabei im Vordergrund. Aber keiner dieser Honoratioren weder unser Alt-Bundespräsident noch unser Erzbischof – brachte die damaligen Ursachen auf den Punkt, die wesentlich auch heute und in Zukunft die Gefahr der Begeisterung für einen ‚starken Mann‘ heraufbeschwören. Der nachfolgende Artikel füllt dieses Defizit in eindringlicher Weise.

6:55  Ö1, Palmsonntag, 25.3.2018 - Zwischenruf

Kommentar:

In dem sehr guten Artikel trifft folgender Vergleich meiner Meinung nach nicht zu:

„Adolf Hitler ist mit offenem Mercedes eingefahren“ …
„Jesus hingegen ist auf einem Esel eingeritten, dem Inbegriff eines Lasttieres für arme Leute“

Der Esel war kein Symbol für arme Leute. Im Gegenteil: Wer sich einen Esel leisten konnte hatte ein Zug- und Tragtier, viel leichter als Ochsen oder Kühe, intelligent und auch leichter und trittsicherer in unwegsamem Gelände als Pferde, kein Fluchttier wie Pferde, gab Milch, und sein Fleisch und seine Haut wurden vielfältig verwertet. So gesehen war der Esel in der damaligen Zeit noch weit wertvoller als später der Mercedes und keinesfalls Symbol für Armut. Daß Jesus auf einem Esel in Jerusalem eingeritten ist (und nicht auf einem Ochsen, bzw überhaupt geritten ist), verstehe ich eher als Ehrerweisung. Ein „Armutszeugnis“ war der Esel absolut nicht.

Zur Parallelität von Esel und Mercedes: In meiner Kindheit am Land war in den Jahren 1955 bei den wohlhabenderen Bauern der Mercedes ebenfalls Statussymbol. Ochsen als Zugtiere waren schon sehr selten im Dorf. Zwei Pferde waren zumindest noch am Hof, um an Sonn- und Feiertagen bzw. zu anderen Festivitäten - im Sommer mit dem Linzer Wagerl und im Winter mit dem Pferdeschlitten - den Pfarrer von der 4km entfernten Pfarrkirche in unser Dorf in die Filialkirche zum Messlesen zu transportieren. Ebenso wurde in diesen Jahren auch noch zum Kirtag hoch auf dem gelben Wagen mit Pferden gefahren. Später hielten Traktoren Einzug und wurden anstelle der Pferde eingesetzt, um auf Anhängern mehrere Personen zum Kirtag oder auch in die Pfarrkirche bei hohen Festen zu transportieren, wie zB zu Ostern usw. Immer häufiger wurde auch der Mercedes als das Bauernfahrzeug neben dem Acker vorgefunden. Man spannte nicht mehr ein, sondern fuhr schnell mit dem Mercedes zum Acker; sei es um 4h früh Kukuruz für die Kühe zu mähen, Weiden zu kontrollieren, Jausen auszufahren oder um Arbeiten am Feld zu verrichten, wo Helfer und Werkzeuge mit dem Traktor extra transportiert wurden. Speziell der Mercedes war Statussymbol bei den Gross(kopferten)Bauern – ich denke, ähnlich dem Esel für den Bauern/Hausherrn zu Jesus‘ Zeiten.

Dennoch möchte ich aber die Folgerungen des Autor Miklas als Fragen an die Verantwortlichen in Politik und Kirche ausdrücklich unterstreichen:

„Geht es darum, den eigenen Ruhm groß zu machen? Oder geht es wirklich darum, den Menschen im besten Sinn des Wortes zu dienen?“

Christine Jansen

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